Es ist Sommer. Es ist heiss. Die ersten Gurken aus dem Gemüsegarten werden reif, und man freut sich schon auf den ersten erfrischenden Salat. Und dann kommt die Enttäuschung: Die Gurken sind bitter und absolut unbekömmlich! Gute Neuigkeit: Dieser Bittere Geschmack hat in der Regel nichts mit der Qualität Ihrer Samen zu tun. In diesem Artikel erfahren Sie, warum Ihre Gurken bitter werden, wie Sie dem jetzt entgegenwirken können, und vor allem, wie Sie es in der nächsten Saison vermeiden.
Warum werden Gurken bitter?
Bei Zollinger Bio selektieren und vermehren wir seit über 40 Jahren Samen von Kürbissen, Zucchetti und anderen Kürbisgewächsen. Wir wissen gut, dass die Bitterkeit einer Kürbis- oder Zucchettisorte nie harmlos ist. Deshalb empfehlen wir Ihnen, die Empfehlungen von Tox Info Suisse zu befolgen: Kosten Sie immer ein kleines rohes Stück, bevor Sie es zubereiten, und werfen Sie die Frucht bei geringstem Zweifel weg. Diese Warnung gilt übrigens für alle Früchte der Kürbisfamilie: Kürbisse, Zucchetti, Patissons…
Glücklicherweise sind alle modernen Sorten, wie die, die wir bei Zollinger Bio selektieren, frei von Cucurbitacin. Dennoch kann die Bitterkeit unter bestimmten Bedingungen wieder auftreten.

Gurkenpflanze im Garten.
Ursachen und Lösungen
Die Hitze
Hitze ist die Hauptursache für Bitterkeit bei Gurken. Cucurbitacin ist hitzebeständig und entwickelt sich, wenn die Pflanze hohen Temperaturen ausgesetzt ist. Wir empfehlen, Gurken an einem leicht schattigen Ort zu pflanzen, um übermässige Hitze im Sommer zu reduzieren.
Unregelmässige Bewässerung
Wenn die Pflanze Trockenperioden und übermässige Bewässerung abwechselnd durchmacht, entsteht Wasserstress. Dieser Stress führt zu bitteren Gurken.
In Perioden starker Hitze empfehlen wir eine leichte Bewässerung alle 2 bis 3 Tage (statt einer reichlichen Bewässerung einmal pro Woche), um eine stabile Bodenfeuchte zu erhalten und den für die Bitterkeit verantwortlichen Stress zu begrenzen. Eine Bewässerung mit Ollas ist ideal. Das Mulchen ist ebenfalls sehr hilfreich, um die Bodenfeuchte zu erhalten. Bei Zollinger Bio schätzen wir besonders Mulch aus Schafwolle, die Wasser wie ein Schwamm aufnimmt und es nach und nach an den Boden abgibt.
Temperaturschwankungen
Wenn die Temperaturen stark schwanken — zum Beispiel bei extrem heissen Tagen und kühleren Nächten — wird Cucurbitacin produziert. Wenn die Pflanzen nicht zu stark der Sonne ausgesetzt sind, sind auch die Temperaturschwankungen weniger ausgeprägt.
Deshalb empfehlen wir bei Zollinger Bio oft, den Kulturen etwas Schatten zu spenden, besonders in den heissesten Stunden des Tages. Für Gurken können Sie ein altes weisses Laken verwenden, das mit Holz- oder Bambusstäben befestigt wird, oder auch Schilfmatten. Das mag überraschend klingen, aber aus unserer Erfahrung ist es sehr wirksam!
Nun wissen Sie, wie Sie köstliche Gurken ohne Bitterkeit ernten können. Für weitere Tipps zum Gurkenanbau können Sie unser Video für erfolgreiche Aussaat und zur ermeidung von Bitterproblemen im Sommer ansehen. Viel Erfolg und viel Freude beim Gärtnern!
Häufig gestellte Fragen
In grossen Mengen konsumiert kann die für die Bitterkeit verantwortliche Verbindung (Cucurbitacin) manchmal schwerwiegende Verdauungsbeschwerden verursachen. Aus Vorsicht ist es daher besser, eine bittere Gurke nicht zu verzehren.
Das wird nicht empfohlen. Die Bitterkeit einer Gurke ist meistens auf einen kurzfristigen klimatischen Stress (Hitze, unregelmässige Bewässerung) zurückzuführen und beeinträchtigt die Genetik des Samens nicht — sie kann aber auch ein Zeichen für eine Kreuzbestäubung mit einem anderen Kürbisgewächs sein. In diesem Fall kann sich das Gen für die Cucurbitacin-Produktion in der nächsten Generation wieder aktivieren, und die aus diesen Samen gewonnenen Früchte könnten noch bitterer oder sogar ungeniessbar sein. Aus Vorsicht ist es besser, die Samen einer bitteren Frucht nicht wieder auszusäen und für die nächste Saison Bio-Saatgut kontrollierter Herkunft zu bevorzugen.
Wenn eine Gurke zu bitter zum Verzehr ist, muss sie deswegen nicht im Abfall landen. Sie können sie auf Ihren Kompost geben — das stellt keinerlei Risiko für Ihre zukünftigen Ernten dar.
Geben Sie sie niemals Ihren Haustieren (Kaninchen, Hühner usw.), auch nicht gekocht, da das Kochen das Cucurbitacin nicht zerstört.
Cucurbitacin konzentriert sich vor allem unter der Schale und in der Nähe des Stiels. Das Schälen der Frucht und das grosszügige Abschneiden beider Enden reduziert die Bitterkeit oft, garantiert aber nicht ihr vollständiges Verschwinden, wenn die Frucht stark betroffen ist. Wir empfehlen daher eher, sie gar nicht zu verzehren — weder geschnitten, noch geschält oder gekocht.
Weiterführende Links
- Im Garten sorgt ein Vlies für Aufsehen, Charline Daujat, Terre&Nature: https://www.terrenature.ch/jardin/au-jardin-une-toison-qui-fait-sensation/
- Tox Info Schweiz, Bitterkürbisse und Bitterzucchini: https://www.toxinfo.ch/courge_potiron_potimarron_citrouille_courgette_amer
Meine Gurken sind bitter!