Der Leindotter (Camelina sativa), auch „Deutscher Sesam“ genannt, erlebt derzeit ein Comeback in naturnahen und nachhaltigen Gemüsegärten. Robust, bienenfreundlich, anspruchslos und vielseitig – er verdient unserer Meinung nach einen festen Platz in jedem biologischen Garten. Hier erfahren Sie, wie Sie Leindotter in Ihrem Garten aussäen und kultivieren.
Der Leindotter, zur natürlichen Bodenverbesserung
Der Leindotter ist eine einjährige, in der Schweiz heimische Pflanze aus der Familie der Kreuzblütler (wie Senf oder Rettich). Er verbessert sehr effektiv die Bodenstruktur und bedeckt den Boden bereits nach wenigen Wochen, wodurch Bodenerosion, Nährstoffauswaschung und die Ausbreitung von Beikräutern reduziert werden.
Sein Wurzelsystem mit zahlreichen feinen Wurzeln durchdringt die oberen Bodenschichten und fördert die Belüftung sowie die Wasserinfiltration. Daher eignet er sich besonders für tonige Böden, die häufig zur Oberflächenverdichtung neigen.
Im Gegensatz zu Gründüngungen auf Leguminosenbasis wie der Serradella (Ornithopus sativus), der Luzerne (Medicago sativa) oder der Lupine, die mithilfe von Wurzelknöllchen atmosphärischen Stickstoff binden, reichert Leindotter den Boden nicht direkt mit Stickstoff an, sondern wirkt vor allem durch seine schnelle Biomasseproduktion und seinen strukturverbessernden Effekt an der Oberfläche. Er kann vor vollständiger Samenreife gemäht und anschliessend mit einer Grabgabel oder einem Rechen flach eingearbeitet werden. Seine Biomasse zersetzt sich relativ rasch und liefert viel organische Substanz. So trägt er zur Ernährung des Bodenlebens bei und erhält die Fruchtbarkeit – eine Grundvoraussetzung für schmackhafte und reichliche Ernten.
Eine Pflanze für die Biodiversität
Leindotter bildet zahlreiche kleine, blassgelbe Blüten. Seine üppige Blüte lockt verschiedene Bestäuber und Nützlinge in den Gemüsegarten.
Im Frühjahr stellt er eine wertvolle Nahrungsquelle für Bienen und Schwebfliegen dar, insbesondere wenn andere Blühpflanzen noch rar sind. In einem vielfältigen Gemüsegarten kann er als Bindeglied zwischen verschiedenen Blühphasen dienen. Seine Integration in die Fruchtfolge oder am Rand von Beeten unterstützt somit aktiv die lokale Biodiversität.
Eine einfache und anspruchslose Kultur
Ein grosser Vorteil des Leindotters ist seine Anpassungsfähigkeit. Er wächst auch auf relativ nährstoffarmen Böden und benötigt kaum zusätzliche Düngung.
Zudem ist er sehr kälteresistent, was frühe Aussaaten im Frühjahr oder späte Aussaaten im Sommer ermöglicht. Auch Trockenheit verträgt er besser als andere Ölpflanzen wie Raps.
Für Gärtnerinnen und Gärtner in höheren Lagen oder in klimatisch anspruchsvolleren Regionen ist Leindotter daher besonders interessant.
Samen reich an Omega-3
Neben seiner Funktion als Gründüngung kann Leindotter auch zur Samengewinnung angebaut werden. Die Samen sind reich an essenziellen Fettsäuren, insbesondere an Omega-3-Fettsäuren vom Typ Alpha-Linolensäure (ALA). Kaltgepresstes Leindotteröl wird wegen seines ausgewogenen Nährwertprofils und seines hohen Vitamin-E-Gehalts geschätzt. Es sollte vorzugsweise roh verwendet werden, etwa in Salaten, um seine wertvollen Inhaltsstoffe zu erhalten. Es eignet sich auch zur äusserlichen Anwendung bei gereizter Haut. Die Samen können zudem ganz in Brot oder andere Speisen eingearbeitet werden. Ihr Geschmack erinnert leicht an Haselnuss.
Wie sät und kultiviert man Leindotter?
Leindotter lässt sich gut zwischen zwei Hauptkulturen integrieren, da sein Zyklus relativ kurz ist (etwa drei Monate).
Es ist jedoch ratsam, ihn nicht unmittelbar vor oder nach anderen Kreuzblütlern wie Kohl, Radieschen oder Senf anzubauen, um krankheitsspezifische Risiken dieser Familie – etwa Kohlhernie, Rost oder bakterielle Erkrankungen – zu minimieren. Eine Fruchtfolge im Gemüsegarten von etwa 5 bis 7 Jahren ist daher empfehlenswert.
Die Aussaat erfolgt breitwürfig oder in Reihen mit einem Abstand von etwa 15 cm. Die Pflanze ist pflegeleicht. Als Gründüngung sollte er vor vollständiger Samenreife gemäht werden, um unkontrollierte Selbstaussaat zu vermeiden.
Leindotter passt hervorragend in den biologischen Anbau, benötigt nur wenige Betriebsmittel und stärkt die Bodengesundheit. Er fördert die Biodiversität und liefert gleichzeitig einen praktischen Nutzen. In Zeiten, in denen Autonomie, Klimaresilienz und nachhaltiges Gärtnern immer wichtiger werden, ist er eine unverzichtbare Kulturpflanze.
Um weiterzugehen :
- Wie wählt man den richtigen Gründünger aus?
- Agrarforschung Schweiz, Schädlinge und Krankheiten im Agroökosystem der Gemüsekreuzblütler und des Rapses.
- INRAE, Listen der Krankheiten und Schädlinge der Brassicaceae, Ephytia.
Der Leindotter: die Gründüngung, die in keinem Gemüsegarten fehlen darf!