Im Herbst sieht man immer mehr Igel durch die Gärten streifen. Der Igel steht seit 2022 tatsächlich auf der Roten Liste der Schweiz als potenziell gefährdete Art. Da liegt es nahe, ihnen Wasser und Futter anzubieten. Doch ist das wirklich sinnvoll? Und was sollte man ihnen geben?
Sollte man Igel füttern?
In der Regel finden die Igel, denen wir in unseren Gärten begegnen, genug zu fressen. Herbst und Frühling sind für die Jungtiere allerdings schwierige Zeiten. Sie können die Tiere füttern, aber nur, wenn Sie einige Regeln beachten. Sonst richten Sie mehr Schaden als Nutzen an.
Warum sollte man Igel nicht füttern?
Es gibt gute Gründe, die Igel, denen man im Garten begegnet, nicht zu füttern.
Erwachsene Tiere, die genug Nahrung finden, brauchen in der Regel keine zusätzlichen Rationen. Ausserdem besteht die Gefahr, dass Sie ihren Rhythmus stören. Wenn das Nahrungsangebot in der Natur im Herbst abnimmt, zieht sich der Igel in sein Winterquartier zurück und hält Winterschlaf. Wenn Sie ihn füttern, kommt er weiterhin in Ihren Garten, und sein natürlicher Zyklus wird gestört.
Jungigel haben manchmal mehr Mühe, genug Nahrung zu finden. Sie müssen aber lernen, selbst nach Futter zu suchen. Wenn Sie ihnen jeden Tag einen grossen Napf hinstellen, lernen sie womöglich nicht, sich selbst zu versorgen.
Wann sollte man Igel im Garten füttern?
In bestimmten Notsituationen kann es sinnvoll sein, einem Igel Futter anzubieten:
- Im Spätherbst, wenn Sie einem Jungigel begegnen, der vor Beginn des Winterschlafs weniger als 600 g wiegt. Erwachsene Tiere sollten zu diesem Zeitpunkt zwischen 800 g und 1000 g wiegen.
- Wenn die Igel im Frühling aus dem Winterschlaf erwachen und der Boden noch gefroren ist, kann das Nahrungsangebot knapp sein.
- Bei grosser Trockenheit kann es hilfreich sein, frisches Wasser und zusätzliches Futter bereitzustellen.
- Wenn Sie ein säugendes Weibchen mit seinen Jungen finden.
Wann sollte man eine Fachstelle kontaktieren?
Ein Igel, der tagsüber unterwegs ist, torkelt, sehr mager oder verletzt ist, befindet sich in Not. Lassen Sie ihn nicht draussen: Kontaktieren Sie umgehend eine Igelstation. Auch wenn es nur ums Füttern geht, lassen Sie sich besser zuerst beraten.
An wen kann man sich wenden? Hier finden Sie eine Liste der Igelstationen in der ganzen Schweiz: https://www.pro-igel.ch/fr/herissons-en-detresse

Igel beim Fressen.
Was kann man Igeln zu fressen geben?
Igel sind Insektenfresser und ernähren sich von Insekten und deren Larven. In der Regel brauchen sie also eine eiweissreiche Nahrung. Der Verein Pro Igel gibt folgende Hinweise zur Fütterung.
Geeignet sind:
- hochwertiges Katzen-Nassfutter ohne Gelee, ohne Sauce und ohne Getreide (über 70 % Fleisch)
- Rührei, ungewürzt
- leicht gebratenes Hackfleisch, ungewürzt
- Insekten (Mehlwürmer, Larven der Schwarzen Soldatenfliege)
Unbedingt zu vermeiden:
- Katzenfutter mit Getreide, Sauce oder Gelee
- Milch (sie verursacht Durchfall, der durch Austrocknung tödlich enden kann)
- Obst, Nüsse, Haferflocken
- handelsübliche Mischungen «speziell für Igel»: Die meisten enthalten Getreide, Nüsse oder Obst und sind ungeeignet
Die richtigen Handgriffe
Stellen Sie das Futter nach Einbruch der Dunkelheit hin und entfernen Sie Reste am Morgen, um keine Ratten anzulocken.
Bei einem abgemagerten Igel beginnen Sie mit kleinen Portionen (20 bis 30 g) und steigern diese schrittweise.
Stellen Sie ein Futterhaus mit zwei abgewinkelten Eingängen von etwa 12 × 12 cm auf, um das Futter vor Katzen und Füchsen zu schützen, und reinigen Sie es täglich.
Stellen Sie eine flache Schale mit frischem Wasser bereit und reinigen Sie sie täglich.
Der Igel ist in der Schweiz eine geschützte Art
Der Igel ist ein einheimisches Wildtier , das sowohl durch das Tierschutzgesetz als auch durch das Bundesgesetz über den Natur- und Heimatschutz (das die Art schützt) geschützt ist. Es ist daher verboten, ihn ohne triftigen Grund zu fangen oder zu Hause zu halten.
Eine Ausnahme gilt für kranke, verletzte, unterernährte oder verwaiste Tiere. In diesem Fall dürfen Sie das Tier in Sicherheit bringen, müssen aber so schnell wie möglich eine Fachstelle kontaktieren, die dann übernimmt. Die Regeln zur vorübergehenden Haltung unterscheiden sich je nach Kanton: Einige verlangen eine Bewilligung, weshalb der Weg über eine anerkannte Igelstation notwendig ist.
Die beste Hilfe: ein einladender Garten
Das Füttern ist nur eine vorübergehende Lösung. Um dem Igel langfristig zu helfen, bieten Sie ihm vor allem einen geeigneten Lebensraum:
- Lassen Sie eine wilde Ecke im Garten stehen, mit Laub- oder Asthaufen, in gutem Abstand zum Haus;
- verzichten Sie auf Pestizide und chemische Düngemittel, die seine Beutetiere verschwinden lassen;
- pflanzen Sie einheimische Arten, die Insekten und Larven anziehen;
- schaffen Sie Durchgänge in Zäunen und Mäuerchen;
- kontrollieren Sie, dass kein Igel unter einem Laubhaufen oder Gebüsch schläft, bevor Sie einen Freischneider oder Rasenmäher einsetzen.
Häufig gestellte Fragen zu Igeln im Garten
Ein Igel, der tagsüber unterwegs ist, torkelt, sehr mager oder verletzt ist, befindet sich sehr oft in Not. Kontaktieren Sie rasch eine Fachstelle.
Nie. Milch, Brot und Schokolade verursachen Durchfall, der durch Austrocknung tödlich enden kann. Geben Sie lieber Katzen-Nassfutter ohne Gelee und Sauce oder ungewürztes Rührei.
In der Schweiz dauert der Winterschlaf des Igels in der Regel von Mitte November bis März.
Lassen Sie eine wilde Ecke im Garten mit Laub- oder Asthaufen stehen, verzichten Sie auf Pestizide, pflanzen Sie einheimische Arten und schaffen Sie Durchgänge in Zäunen. Kontrollieren Sie ausserdem, dass kein Igel unter einem Gebüsch schläft, bevor Sie einen Rasenmäher oder Freischneider einsetzen.
Weiterführende Informationen
- Pro Igel, Igel füttern und Igel in Not
- BLV, Haltung und vorübergehende Pflege von Igeln
- VIER PFOTEN, Ich habe einen Igel gefunden: Was soll ich tun?
Igel füttern: Was Sie wissen sollten