Ein Heilpflanzengarten (auch «Kräutergarten» oder «Simplengarten» genannt) vereint aromatische Pflanzen und Blumen, die traditionell für Tees, Aufgüsse oder kosmetische Zubereitungen verwendet werden. Wie legt man einen solchen Garten zu Hause an – im Gemüsegarten, im Garten oder auf dem Balkon? Welche Pflanzensorten sollte man wählen? Wann sät man sie? Wir geben Ihnen in diesem Artikel alle unsere Tipps als Bio-Saatgutproduzenten!
Was ist ein Heilpflanzengarten?
Ein Heilpflanzengarten vereint aromatische Pflanzen und Blumen, die für ihre traditionelle Verwendung in Tees, Aufgüssen oder kosmetischen Zubereitungen bekannt sind. Im Mittelalter waren solche Gärten in Klöstern weit verbreitet und meist in klar abgegrenzten Beeten in der Nähe der Krankenstation angelegt. Der informellere Pfarrgarten hingegen vermischte Gemüse, Früchte und einige Heilpflanzen.
Wie legt man seinen Heilpflanzengarten an?
Schritt 1: Standort und Stil wählen
Zwei historische Stile können Sie dabei inspirieren. Der erste, inspiriert vom klösterlichen Simplengarten, setzt auf klar abgegrenzte, geometrische Beete – ähnlich einem in mehrere kleine Bereiche unterteilten Quadrat. Dieser Stil eignet sich, wenn Sie einen eigenen, pflegeleichten Bereich wünschen.

Garten mit klar abgegrenzten, geometrischen Beeten.
Der zweite, näher am Pfarrgarten, lässt Heilpflanzen mit Gemüse und Blumen vermischt wachsen. Er erfordert weniger strikte Planung und lässt sich leicht in einen bestehenden Gemüsegarten integrieren. Nichts spricht auch dagegen, einfach ein paar Heilpflanzen am Rand Ihres Gemüsegartens oder in Töpfen auf dem Balkon zu pflanzen.
Garten, in dem Gemüse, Blumen und Heilpflanzen gemischt wachsen.
Schritt 2: Heilpflanzen auswählen
Ist der Standort festgelegt, geht es an die Pflanzenauswahl. Diese hängt von der verfügbaren Zeit, Ihren Wünschen und natürlich der Art Ihres Gartens ab. Hier unsere Empfehlungen von Zollinger Bio je nach Ziel.
Je nach verfügbarer Zeit
- Wenn Ihnen die Zeit für die Pflege eines Heilpflanzengartens fehlt oder Sie dauerhafte Pflanzungen bevorzugen, empfehlen wir mehrjährige aromatische und medizinische Pflanzen: Anisysop, Ysop, Echinacea, Lavendel, Thymian … Sie brauchen im ersten Jahr etwas Geduld, kommen danach aber jedes Frühjahr von selbst wieder, mit begrenztem Pflegeaufwand.
- Einjährige Pflanzen (Basilikum, Dill, Ringelblume, Echte Kamille …) müssen jedes Jahr neu gesät werden, was mehr Regelmässigkeit erfordert, aber auch erlaubt, die Sorten von Saison zu Saison leicht zu wechseln.
Je nach Bedürfnissen
Auch der Verwendungszweck der Heilpflanzen spielt eine Rolle.
- Für die Verdauung und Alltagstees eignen sich besonders Zitronenmelisse, Echte Kamille, grüne Minze, Basilikum und Ysop.
- Wer eher auf Entspannung und Schlaf setzt, ist mit echtem Lavendel und Zitronenmelisse gut bedient.
- Für die Wintersaison haben sich Echinacea, Thymian und griechischer Oregano bewährt.
- Für kosmetische Zubereitungen werden traditionell Ringelblume und Eibisch verwendet.
Diese Angaben ersetzen selbstverständlich keine ärztliche Beratung. Fragen Sie vor jeder Anwendung von Heilpflanzen immer Ihren Arzt oder Apotheker um Rat.
Je nach Gartentyp
Für grosse Gärten im Freiland
Sie können eine grosse Anzahl an Heilpflanzenarten anbauen: Anisysop, Ysop, Echinacea, Schafgarbe oder Wucherblume. Achten Sie dennoch auf deren Bedarf an Wasser, Nährstoffen und Licht.
Für den Balkon empfohlene Heilpflanzen
Für Balkon oder Terrasse eignen sich kompakte, topftaugliche Sorten wie Basilikum, Dill, Zitronenmelisse oder Thymian. Wählen Sie ausreichend grosse Gefässe für üppig wachsende Pflanzen wie den Anisysop.
Empfohlene Heilpflanzensorten für Berggärten
Für Berggärten empfehlen sich winterharte Sorten wie:
- Gartenmelde: winterhart und ergiebig, ihre an Vitaminen, Mineralstoffen und Antioxidantien reichen Blätter geniesst man im Salat oder gedünstet.
- Liebstöckel: der Name stammt vom lateinischen levare («lindern»). Sie passt sich sehr gut an Höhenlagen an und ist seit langem für ihre Wirkung und ihren Geschmack bekannt.
- Ringelblume: eine der ältesten Heilpflanzen Europas, sie behauptet sich hervorragend in den Bergen.
Die 14 besten Heilpflanzen für Ihren Garten
Um Ihnen bei der Anlage Ihres Heilpflanzengartens zu helfen, hat Aurélie, Leiterin der Sortenversuche bei Zollinger Bio, ein Set mit 14 Heilpflanzen zusammengestellt – mit aussaatbereitem Saatgut! Es vereint 14 seit langem in der Kräuterheilkunde anerkannte Pflanzen wie Lavendel, Kamille, Echinacea, Eibisch oder Monarde. So verwandeln Sie eine Ecke Ihres Gartens in eine kleine natürliche Kräuterapotheke, um im Laufe der Jahreszeiten Ihre eigenen Tees und Zubereitungen herzustellen. Die meisten dieser Pflanzen sind pflegeleicht und einmal etabliert dauerhaft. Sie gedeihen im Beet, am Rand oder im Topf griffbereit.
Schritt 3: Boden vorbereiten
Sind die Pflanzen ausgewählt, muss der Boden vorbereitet werden – am besten im zeitigen Frühjahr oder im Herbst, wenn der Boden noch nicht gefroren ist. So gehen Sie für einen guten Start Ihres Heilpflanzengartens vor.
- Im Freiland: Lockern Sie den Boden mit einer Grabegabel etwa 20 cm tief auf und entfernen Sie Unkraut und Steine, die die Wurzelbildung behindern könnten. Ist Ihr Boden schwer und lehmig, mischen Sie Sand oder Kies unter, um die Drainage zu verbessern – besonders wichtig für mediterrane Pflanzen wie Lavendel, Thymian oder Oregano, die übermässige Feuchtigkeit an den Wurzeln nicht vertragen. Diese Pflanzen benötigen zudem keinen besonders nährstoffreichen Boden. Anspruchsvollere Pflanzen wie Zitronenmelisse, Eibisch, Monarde oder Echte Kamille hingegen schätzen bei der Pflanzung einen mit gut verrottetem Kompost angereicherten Boden.
- Auf dem Balkon: Besorgen Sie sich ein ausreichend grosses und tiefes Gefäss, passend zu den gewählten Pflanzen. Verwenden Sie gute Universalerde und stellen Sie Pflanzen mit ähnlichen Bedürfnissen nebeneinander, zum Beispiel Zitronenmelisse und grüne Minze, die beide viel Wasser benötigen. Auf einem sehr sonnenexponierten Balkon hilft eine leichte Mulchschicht am Pflanzenfuss, das rasche Austrocknen des Substrats zu begrenzen.
«Manche Heilpflanzen breiten sich mit der Zeit stark aus, etwa Melisse, Minze oder Liebstöckel. Ich empfehle daher, sie im Topf zu kultivieren, um ihr Wachstum besser zu kontrollieren. Eine andere Lösung ist der regelmässige Rückschnitt (oft im Herbst, mit einer Gartenschere), um das Wachstum benachbarter Pflanzen nicht zu beeinträchtigen. Sie können sie aber auch frei wachsen lassen, wenn Sie einen grösseren Garten haben oder ein wilderes Ergebnis bevorzugen!»
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Schritt 4: Heilpflanzen säen oder pflanzen
Sie können Ihre eigenen Aussaaten aus biologischem Saatgut vornehmen oder auf hochwertige Jungpflanzen zurückgreifen. Die meisten Heilpflanzen werden ab März im Haus ausgesät, in biologisch abbaubaren Töpfchen oder Aussaatplatten, um die Jungpflanzen ab Mai ins Freiland zu pikieren, sobald keine Frostgefahr mehr besteht. Manche Pflanzen vertragen das Pikieren allerdings schlecht und werden direkt am endgültigen Standort ausgesät, wie zum Beispiel Dill.
Unsere Tipps für eine erfolgreiche Aussaat von Gewürz- und Heilkräutern
Fehlt Ihnen Zeit oder Platz für eigene Aussaaten, können Sie auf Jungpflanzenzurückgreifen – so gewinnen Sie mehrere Wochen Kulturzeit, besonders bei mehrjährigen Pflanzen wie Echinacea oder Liebstöckel.
Einen Heilpflanzengarten anzulegen erfordert weder viel Platz noch besonderes Fachwissen: Ein paar Töpfe auf dem Balkon oder eine Ecke im Gemüsegarten genügen für den Start. Wichtig ist, Sorten zu wählen, die zu Ihrer verfügbaren Zeit, Ihren Bedürfnissen und Ihrem Standort passen. Mit gutem Bio-Saatgut und etwas Geduld haben Sie schon bald alles, um im Laufe der Jahreszeiten Ihre eigenen Tees und Aufgüsse herzustellen. Jetzt sind Sie an der Reihe!
Für weitere Informationen
- Le Grand Livre des plantes médicinales à cultiver soi-même, Marie Borrel : https://www.payot.ch/Detail/le_grand_livre_des_plantes_medicinales-marie_borrel-9791028508210 (ISBN 9791028508210)
- Larousse des plantes médicinales, Andrew Chevallier : le slug le plus récemment indexé est légèrement différent de celui qu'on avait retenu — https://www.payot.ch/Detail/larousse_des_plantes_medicinales-chevallier_andrew-9782035930743 (ISBN 9782035930743)
- Jardin des simples (Plantes médicinales), Jardin botanique de Neuchâtel : https://www.jbneuchatel.ch/decouvrez-le-jardin-botanique/les-jardins/jardin-des-simples-plantes-medicinales
Häufige Fragen zum Heilpflanzengarten
Heilpflanzen werden hauptsächlich im März und April ausgesät, im Haus in biologisch abbaubaren Töpfchen oder Aussaatplatten, für eine Pflanzung im Freiland ab Mai.
Auf dem Balkon eignen sich kompakte, topftaugliche Sorten wie Basilikum «Genoveser Auslese Z» oder Dill. In den Bergen empfehlen sich winterharte Sorten wie Gartenmelde, Liebstöckel oder Ringelblume «Officinalis». Im Freiland gedeihen die meisten Arten, sofern ihr Wasser- und Lichtbedarf berücksichtigt wird.
Eine aromatische Pflanze wird vor allem wegen ihres Dufts und ihrer kulinarischen Verwendung angebaut, während eine Heilpflanze wegen ihrer dokumentierten Wirkungen ausgewählt wird, die in Tees, Aufgüssen oder kosmetischen Zubereitungen genutzt werden. Manche Pflanzen, wie Basilikum oder Dill, gehören zu beiden Kategorien.
Die in diesem Ratgeber geteilten Informationen dienen ausschliesslich zu Bildungs- und Informationszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Es wird empfohlen, vor der Verwendung von Heilpflanzen einen Arzt oder eine medizinische Fachperson zu konsultieren.

Einen Heilpflanzengarten anlegen: der komplette Ratgeber