Christines Gartenjahr: Erbs und Rüebli - 28. Januar 2008

Ein strahlender Sonntag. Am Morgen noch alles starr und weiss vom Frost, dann um 9 Uhr die Sonne, die hinter den Waadtländer-Alpen aufgeht und die Landschaft wie ein Riesenkristall erglänzen lässt. Um Mittag zieht es mich hinaus, verschiedenes im Kopf. Die oberste Erdschicht ist jetzt aufgeweicht und schmiert, besser man zieht die Stiefel an, will man sich aufs Feld wagen. Wie es wohl den überwinternden Pflanzen geht, denen, die im Frühling blühen sollen? Dem Mangold, Haferwurz und Castellfranco? Den Winterkefen, Petersilien und dem Lauch? Sie stehen gut, geniessen die Sonne. Schon bin ich bei den Karotten. Es sind die „Pariser Herzchen“, die kleinen runden, die -Name hin oder her- keine Flausen im Kopf haben dürfen, sondern durchhalten müssen, einen langen Schweizer Winter lang. Und sie schaffen es, wunderschöne Rüebli zieh ich aus der Erde."Pariser Herzchen" frisch geerntet Die Pariser Karotten sind schon im vorletzten Jahrhundert auf den berühmten Gemüsemärkten von Paris angeboten worden. Zusammen mit den pois verts, den grünen Erbsen, kreierten die Köche und Köchinnen ihren Herrschaften eine köstliche Beilage. Ein Privileg, das die aufstrebende Nahrungsmittelindustrie knackte. Ganz einfach: Mit Vertragsbauern wurden grosse Felder Erbsen und eben Pariser Karotten angebaut. Erntearbeiterinnen und Kinder ernteten von Hand in Akkordarbeit diese begehrten Gemüse. Vom Feld gings in die Konservenfabrik, dort in die Büchse und deren Inhalt zierte als „Erbsundrüebli“ den Sonntagsbraten mit Kartoffelstock. Wir Kinder liebten sie. Die ganze Nachkriegsgeneration ist auch eine Erbsundrüebli-Generation. Als ich zum erstenmal frische Pariser Karotten erntete und sie in die Küche brachte, wurde mir bewusst, dass jetzt ein mühsames Schälen und Putzen anfangen würde. Das war nicht unbedingt das, was ich suchte. So wusch ich sie mit scharfem Strahl und dämpfte sie ungeschält. In erstaunlich kurzer Zeit waren sie gleichmässig gar und die Haut konnte man wie bei gekochten Kartoffeln abziehen. Seither leben wir öfters so wie die Pariser Herrschaften vor der Einführung der EGALITE gelebt haben. "Pariser Herzchen" frisch geerntet