Ein Lobgesang auf das Jahr 2011 - 26. Dezember 2011

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Eine neue Gartensaison kündet sich an. Die Samen stehen hübsch verpackt im Regal und werden im Laufe dieses Jahres in Tausende von Gärten wandern.

Vieles trug dazu bei, dass die Samenernte im Jahr 2011 so reich und gesund ausgefallen ist.

Schon der Winter war ideal. Der Boden leicht und gleichmässig gefroren, die überwinternden Saatgutkulturen, wie Rüebli, Krautstiel, Kohl und Zichorien überstanden ihn problemlos und fingen im warmem März bereits an zu treiben. Und genau dieser März lud ein, die frühen Saaten zügig an die Hand zu nehmen. So konnten einjährige Gemüsearten, wie Kresse, Radies, Erbsen, aber auch Sommerblumen, wie Mohn, Lein und Venusspiegel so zeitig der Erde anvertraut werden, wie sie es selber auch getan hätten.

Und immer zur rechten Zeit setzte ein Regen ein, gerade im richtigen Mass, sodass die Saaten leicht und freudig keimten.

Da unsere Sorten seit Jahren so selektioniert werden, dass sie ein grosses, leistungsfähiges Wurzelwerk bilden, wuchsen sie auch im Frühsommer, als die Trockenheit vielerorts schon leicht bedrohlich wurde, munter weiter; ja sie dankten diese trockene Periode sogar mit ungewöhnlich reicher Blüte und vollem Fruchtansatz.

Und noch ein Phänomen versetzte uns in erfreutes Staunen: Schädlinge und Krankheiten blieben aus. Sogar die unentwegten, wie Lauchmotte, Möhrenfliege und Kohlweissling, die sich in den letzten Jahren immer dreister benahmen und denen man kaum Meister wird, traf man nur vereinzelt an. Dafür flogen die Bienen umso fleissiger und bestäubten Millionen von Blüten. Entsprechend gross viel die Ernte aus.

Da die Nachfrage nach unseren Samen stetig wächst, werden die einzelnen Felder auch dementsprechend grösser, so dass sich der Einsatz unseres kleinen Mähdreschers (ein leichter bodenschonender „AKTIV“ aus den 60 er Jahren) bei Kresse, Mangold, Lein, Buchweizen und Radies enorm lohnte. Wir konnten dank dieser einfachen, jedoch klug konzipierten, leichten und dadurch bodenschonenden Maschine Arbeitsspitzen bewältigen, die ohne diese Hilfe zum Problem geworden wären.

Man könnte nun meinen, die fast paradiesischen Verhältnisse hätten nach Liegestuhl und dolce far niente gerufen. Natürlich nicht, denn das Paradies auf Erden bedarf auch seiner Pflege. So hat unser Gartenteam einen grossartigen Einsatz geleistet: Die Frauen haben gehackt und gejätet und diejenigen Samenarten geerntet, die täglich von Hand gelesen werden müssen, wie Schwarzwurzel oder Tagetes. Sie haben gesiebt und wo nötig auch von Hand verlesen. Die Männer kümmerten sich um die Bodenbearbeitung, sie haben unzählige Pfähle gesteckt, um die Samenträger-Pflanzen daran aufzubinden, haben geerntet, und gedroschen.

Ob der grossen Ernte regte sich dringend das Bedürfnis nach einer neuen Samenreinigungsmaschine, die dem Saatgut zu einem noch besseren Reinheitsgrad verhelfen sollte.

Da bot uns wie durch ein Wunder die KARL NÄF STIFTUNG in Glarus einen namhaften Betrag an, um dieses Projekt verwirklichen zu können. Wir danken für die grosszügige Unterstützung.

Letztes Jahr ist unser verehrter Freund, Konradin Kreuzer, gestorben. Seine Frau, Germaine Kreuzer, übergab uns ebenfalls einen grossen Betrag, den wir ganz im Sinne Konradins „für etwas Schönes“ verwenden sollten.

Wertvolle Hilfe bekommen wir reichlich auch von Ihnen, den vielen Gärtnern, den Selbstversorgerinnen und den Stadtgmüeslern. Sie alle lassen unsere Samen keimen und wachsen. Sie schwärmen von den guten Sorten bei Ihren Freunden und Bekannten. Ja, die köstliche, wertvolle Sortenvielfalt können wir nur gemeinsam erhalten und verbreiten. Eine reiche Ernte, unzählige Samen warten darauf, ausgesät zu werden. Machen wir das, bewirken wir viel.

Wir sind so dankbar für das Wohlwollen der Natur, dass wir gerne in Rilkes Gedicht einstimmen und sagen: „Der Sommer war sehr gross“, und wenn wir etwas wünschen dürften, dann gleich nochmals ein solcher!

Mit den besten Gartengrüssen

Christine Zollinger

Neujahr 2012